Ratgeber

Ablauf der Hochzeitsfeier: wann welche Musik

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Ein Hochzeitstag hat sechs Abschnitte, und jeder verlangt etwas anderes von der Musik. Wer das weiß, plant nach Wirkung statt nach Songtiteln und merkt früh, an welcher Stelle der Zeitplan kippt. Dieser Artikel geht die sechs Abschnitte der Reihe nach durch und sagt zu jedem, was die Musik dort leisten muss.

Ich schreibe das aus der Sicht hinter dem Pult. Seit 2013 bin ich hauptberuflich DJ, mit mehr als 400 Hochzeiten, und die Fragen zum Ablauf kommen in jedem Gespräch.

Der Zeitplan verschiebt sich, und zwar fast immer nach hinten

Der Zeitplan verschiebt sich.

Ein Hochzeitstag hält sich selten genau an das Papier. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Planungsgröße. Die Zeremonie kann sich ziehen, und die Gratulation dauert länger, wenn jeder Gast noch ein Wort sagen will.

Die Verschiebungen sind dabei berechenbar: Empfang und Fotos brauchen Zeit, Reden dauern eher länger als angekündigt, und die Küche hat ihren eigenen Takt. Deshalb hängt den Plan an zwei feste Punkte statt an eine Minutenliste, am besten an den Beginn des Dinners und den Eröffnungstanz. Wenn ihr wisst, wann getanzt wird, ordnet sich der Nachmittag von selbst.

In München endet die Musik im Freien um 22 Uhr

Getanzt wird drinnen.

Zwei Vorschriften greifen dabei ineinander. Die Nachtruhe in der Stadt München läuft von 22 bis 7 Uhr, so steht es in der Hausarbeits- und Musiklärmverordnung. Und auf jeder Freischankfläche in Wohnnähe zieht die Bayerische Biergartenverordnung um 22 Uhr die Grenze für Musik unter freiem Himmel.

Feiert ihr in der Stadt und habt den Empfang draußen, endet die Musik im Freien um 22 Uhr. Getanzt wird ohnehin drinnen. Wie ich das in der Stadt und im Umland handhabe, steht auf der Seite Hochzeits-DJ in München.

Dazu kommt die Sperrzeit, und die ist von Haus zu Haus verschieden. Im Münchner Umland feiern viele Häuser lang, manche vergeben sich für ein ganzes Wochenende an ein einziges Paar, mit Aufbautag davor und Abbautag danach. Fragt beide Zeiten bei eurem Haus ab, bevor ihr den Ablauf schreibt: bis wann draußen Musik läuft, und bis wann drinnen.

Zur freien Trauung im Freien muss jedes Wort ankommen

Jedes Wort muss ankommen.

Bei der Trauung leistet die Musik zwei Dinge, und die Technik ein drittes. Zum Einzug gibt sie das Tempo vor: Ein Lied, das zu schnell läuft, treibt euch den Gang hinunter, ein zu langsames lässt die Gäste warten. Hier entscheidet weniger der Titel als die Länge und der Punkt, an dem das Stück sanft endet.

Zum Ringtausch braucht es das Gegenteil von Aufmerksamkeit. Dort läuft im besten Fall gar keine Musik, sondern nur ein Mikrofon, das eure leisen Sätze trägt. Erst zum Auszug darf es laut werden, und das ist der einzige Moment der Zeremonie, an dem ein Lied die Gäste aus den Stühlen holen soll.

Draußen hängt all das an der Technik, denn eine Wiese hat keine Wände, die den Ton zurückwerfen. Eine kabellose Anlage links und rechts der Stuhlreihen, eine Funkstrecke für die Rednerin, ein Mikrofon, das eure Rednerin sicher überträgt: Davon hängt ab, ob die hinteren Reihen euer Gelübde hören. Was dafür mitkommt, steht unter Außenbeschallung.

Beim Sektempfang läuft Musik, bei der eure Gäste reden können

Beim Sektempfang läuft Musik.

Der Empfang ist der geselligste Teil des Tages und musikalisch der zurückhaltendste. Eure Gäste sehen sich zum ersten Mal seit Jahren, sie gratulieren. Musik, die dabei mithalten will, zwingt alle zum Lauterreden, und nach einer halben Stunde ist der Hof heiser.

Was hier trägt, ist warme Musik mit klarer Melodie: bekannt genug, dass sie niemanden irritiert, leise genug, dass sie unter den Gesprächen liegt. Genau darum ist der Empfang der dankbarste Abschnitt des Tages: Er lässt sich strecken, ohne dass es jemandem auffällt.

Zum Abendessen gehört die Musik unter die Gespräche, nicht darüber

Musik unter die Gespräche.

Beim Essen hat die Musik eine dienende Rolle, und die Ansagen haben die Hauptrolle. Die ersten Gänge bleiben ruhig, damit eure Gäste in Ruhe essen und reden können. Steigt die Lautstärke hier zu früh, sitzen dieselben Leute später satt und müde auf ihren Stühlen.

Reden und Programmpunkte der Gäste sind der eigentliche Takt dieses Abschnitts. Sie brauchen zwei Dinge: ein Mikrofon, das griffbereit liegt, und einen Platz im Ablauf, der nicht mit einem Gang kollidiert. Eine Rede, die startet, während aufgetragen wird, verliert die Hälfte ihrer Zuhörer und die Küche ihren Plan.

Gegen Ende des Dinners beginnt die Warm-up-Phase. Die Musik wird eine Spur schneller, die Lautstärke steigt in kleinen Schritten, und die ersten Gäste stehen von selbst auf.

Der Eröffnungstanz und die Zeit unmittelbar danach entscheiden über den Abend

Die Zeit unmittelbar danach.

Das ist der kritische Moment, und der Grund dafür ist einfach: Es ist der einzige Augenblick des Tages, an dem alle Gäste gleichzeitig an derselben Stelle stehen, zur Tanzfläche schauen und bereit sind. Diese Aufstellung bekommt ihr nie wieder. Was unmittelbar danach läuft, entscheidet, ob daraus eine volle Fläche wird oder ob sich alle wieder an die Tische verteilen.

Der Tanz selbst ist dabei der kleinere Teil. Wie lang euer Lied am Abend läuft, legen wir im Detailgespräch fest, und wenn ihr wollt, hole ich die Gäste nach der ersten Strophe dazu. Entscheidend ist, was danach passiert. Ein Bruch an dieser Stelle, ein Stilwechsel, eine Ansage, eine Pause an der falschen Stelle, und die Fläche leert sich, bevor sie voll war.

Deshalb liegt der erste Block nach dem Tanz fest, bevor der Abend anfängt. Er startet mit etwas, das jede Generation kennt und das man auch zu zweit tanzen kann, und er bleibt auf einem Tempo, das niemanden abhängt. Erst wenn die Fläche stabil trägt, gehe ich in die Richtung, die euch vorschwebt. Wie dieser Übergang klingt, hört ihr in Kürze in den Hörproben.

Wie ihr den Song findet, was ihr tut, wenn ein Stück zu lang ist, und wie der Übergang danach genau abläuft, steht ausführlich im Ratgeber zum Eröffnungstanz.

Später am Abend dreht sich die Musik, und die Fläche atmet

Die Fläche atmet.

Im Lauf des Abends verändert sich das Publikum, und damit darf die Musik moderner und klarer werden: Clubsound, der auf Hochzeiten funktioniert, die 2000er als Herzstück, aktuelle Chart-Hits und Songs zum Mitsingen.

Eine Tanzfläche atmet dabei in Wellen, und das ist normal. Was sie wirklich leert, sind drei Dinge: ein harter Tempowechsel mitten im Block, eine lange Ansage zur falschen Zeit und ein Song, den außer dem Gast, der ihn gewünscht hat, niemand kennt. Deshalb baue ich Wünsche in den laufenden Block ein statt dazwischen. Passt ein Song gerade nicht, sage ich dem Gast ehrlich, wann er dran ist. Das kostet ein kurzes Gespräch und rettet die Tanzfläche.

Die letzte Stunde und die Zugabe sind der Teil, an den sich alle erinnern

Die letzte Stunde, die Zugabe.

Gegen Ende zieht das Tempo noch einmal an. Wer jetzt noch da ist, will tanzen, und diese Stunde verträgt die größten Songs des Abends. Hier gehören die Lieder hin, bei denen ihr beide wisst, dass ihr sie hören wollt, bevor das Licht angeht.

Die Zugabe ist der letzte bewusste Griff. Sie holt alle noch einmal zusammen, am besten mit einem Song, den jeder mitsingen kann, und danach werden die Lieder ruhiger. Ein Abend, der ausklingt, bleibt. Planen müsst ihr davon zwei Dinge: das Lied, mit dem geschlossen wird, und die Uhrzeit, ab der es laufen darf.

Fotografin, Küche und Location arbeiten an demselben Zeitplan

Fotografin, Küche und Location.

Der Ablauf gehört nicht der Musik allein. Die Fotografin braucht Licht, und das gute Licht hat eine feste Uhrzeit, die sich nicht verschieben lässt. Die Küche braucht Vorlauf für jeden Gang und eine verlässliche Ansage, wann aufgetragen wird. Die Location gibt vor, wann welcher Raum frei ist und bis wann gefeiert wird.

Diese vier Pläne müssen sich einmal treffen, und zwar vor dem Hochzeitstag: ein Ablauf, auf dem die Uhrzeiten für Fotos, Gänge, Reden, Tanz und Raumwechsel nebeneinander stehen, und alle Beteiligten haben ihn. Dass es ihn gibt, entscheidet, ob am Abend jemand improvisieren muss. Am Tag selbst reichen dann zwei Sätze: mit der Fotografin, wann der Tanz startet, und mit dem Service, wann der letzte Teller weg sein soll.

So baut ihr eure Wunschliste auf, ohne dass der Abend zur Abspielliste wird

Eure Wunschliste.

Eine Wunschliste ist eine Richtungsangabe, keine Reihenfolge. Am besten funktioniert sie in drei Teilen. Erstens die Lieder, die an einer festen Stelle laufen sollen: Einzug, Ringtausch, Auszug, Eröffnungstanz und der Schlusssong. Diese Handvoll gehört genau bestimmt, mit Interpret und Version.

Zweitens eine Handvoll Songs, die eure Richtung zeigen. Daran lese ich ab, was ihr mögt, wie laut ihr es mögt und wo eure Grenze liegt. Drittens alles, was an eurem Abend wegbleiben soll. Das ist oft der hilfreichste der drei Teile, weil er in einer Zeile mehr sagt als dreißig Titel. Playlists schickt ihr mir am einfachsten über Spotify.

Sparen könnt ihr euch die durchgeplante Liste für den ganzen Abend. Sie nimmt mir genau das Werkzeug aus der Hand, für das ihr mich holt: die Reaktion auf das, was gerade auf der Fläche passiert. Sammelt lieber, was euch wichtig ist, und lasst den Rest offen.

Was Paare mich zum Ablauf am häufigsten fragen

Was Paare am häufigsten fragen.

Wann sollte der Eröffnungstanz stattfinden?

Sobald der letzte Teller weg ist und alle noch beisammen sind. Je länger die Pause zwischen Dessert und Tanz, desto mehr Gäste sind draußen oder am Telefon.

Sollen wir den Eröffnungstanz üben oder kürzen?

Beides ist möglich. Wichtig ist nur, dass ihr vorher wisst, wie lang euer Lied läuft und ob die Gäste nach der ersten Strophe dazukommen sollen.

Wie viele Reden verträgt ein Abend?

So viele, wie zwischen die Gänge passen. Kritisch wird es, wenn sich Reden am Ende des Dinners stapeln, weil dann genau die Zeit verbraucht wird, in der die Tanzfläche entstehen sollte.

Was passiert, wenn es regnet und die Trauung nach drinnen muss?

Dann steht der Ablauf trotzdem, sofern ihr drei Dinge vorher festlegt: wohin ihr ausweicht, wer entscheidet und wann spätestens entschieden wird.

Dürfen unsere Gäste Musikwünsche äußern?

Ja, gerne, und sie tun es ohnehin. Ich prüfe jeden Wunsch darauf, ob er in den laufenden Block passt, und baue ihn an der Stelle ein, an der er die Stimmung trägt.

Wie lange vorher besprechen wir den Ablauf?

Der grobe Rahmen entsteht beim Kennenlerngespräch, der fertige Plan im Detailgespräch. Was sich danach noch ändert, schickt ihr mir per Mail.

So kommt ihr zu eurem Ablauf

Zu eurem Ablauf.

Geht ihr euren Tag in dieser Reihenfolge durch, habt ihr am Ende keinen Zeitplan auf die Minute, aber eine Vorstellung davon, was die Musik an jeder Stelle leisten soll. Den Rest baue ich darum herum.

Schickt mir eure Eckdaten über das Kontaktformular: Datum, Location, ungefähre Gästezahl und ab wann ihr Musik braucht. Ich melde mich schnell zurück, und am Telefon gehen wir euren Tag einmal von vorne durch. Ich freue mich von euch zu hören.

Termin anfragen Die Fotobox gleich mit dazu
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